07/02/2010

Power left over

I don’t want to be on the good side
I am not on the right side.
I am not on the better side.
But I wish to be
and that makes me suspiciously
of my own.

Because there is no good side,
and it’s too easy to judge a position as bad.
Everything what’s supposed to be easy and clear,
I am aware of.

That doesn’t mean everything has to be complex.
It just means, I ask myself, why do I want believe this so much?
But that makes me not good or better or extreme critic.
That makes me just aware, somehow  in some positions.

As long as somebody is able to hurt somebody,
there is power left over.

05/02/2010

“Here, there and everywhere.“

Mein Vater hier.

Mein Vater dort.

My father here?

My father there?

My family here.

My family there.

Mi papa acá?

Mi papa ahí?

Mi papas.

04/02/2010

The Story of Indi Jana

Marla Glen – Believer

Troubled the world
there’s no time for children and their hearts
just look at their eyes
can’t you see you’re tearing them apart

So I ask you believe us don’t waste any time

I just can’t understand this,

NO

 

The Story of Indi Jana is a story about a white German baby girl. Her parents think about to call their child Indi. In connection with her last name Jana the pronunciation is similar to the German racist word for first nation people. Nothing can change their minds. And I can’t believe that it is really going to happen. Everything failed. All explanation, all so called arguments, despite the colonial cruel history, they still thinking about.

This is an example how racist structures function and growing up in Germany. It is a stupid example for stupid white people who call themselves alternative, punk, left, anti-racist and open minded. The mother of the baby girl studied critical humanities. She is probably going to make her PHD.

Racism is not only a matter of class or resources to education. It is a matter of will to challenge the own position and to realize that is not a private thing to call a Child Indi Jana when you are white Germans.

17/01/2010

Besser mit machen

Möglichst vermeiden, lieber schneiden, besser schweigen.

Nur nicht fragen, lieber warten, weiter nachsagen.

Tunlichst raus halten, lieber klein halten, besser abschneiden.

Höflichst abtun, lieber hinweg schaun,  macht Raum.

30/11/2009

Es gibt hier kein romantisches Heimkommen

November 2009

Den ganzen Tag hat das Minnie Mouse T-Shirt  Material Girl ausgereicht.  Mein RotGrünBlau karrietes Hemd musste ich nur abends überziehen. Sonnenröte überzieht meine Nase. Meine Winterjacke und Wollmütze werde ich wohl erst wieder in Berlin brauchen.

Ich hatte gehofft in Peru mich selbst wieder zu erkennen. Dass ich Menschen ansehe, die mir ähnlich sind. Ganz so leicht ist es nicht. Eigentlich überhaupt nicht. Tatsächlich bin ich zu neunzig Prozent größer als alle und vor allem bin ich hier Weiß. Ich spreche kein Spanisch und fühle mich hilflos ohne meinen Vater an der Seite.

Nur nach zwei Tagen in Lima zähle ich die Tage bis zu meinem Rückflug. Ohne Spanisch zu können, macht es  wenig Sinn. Ich verstehe nichts und versuche die Sprache dennoch zu mögen. Es gelingt mir nicht. Weg nur noch weg nach Hause. Zu all dem was mir lieb ist. Zu all meinen Liebsten und vor allem zu meiner Liebsten.

Nur acht Tage in Peru und alles ist verändert.

Ich zähle die Stunden bis er endlich weg ist. Gerade ist es nur noch Ertragen. Ihn ertragen. Alles an ihm stört mich. Seine weißen Zähne, sein lautes Sprechen, die Art wie er mit mir spricht. Die Fragen, die er mir stellt. Die Dinge, die immer wieder gleichen Dinge, die er mir erzählt. Meinen Namen will ich wieder ablegen, weg.

Only because I am not religious, that doesn’t mean I believe in nothing.

Your justice is not my justice.

Du bist ein alter Mann. Ein alter peruanischer Mann, um die fünfzig. Ein alter peruanischer katholischer Kommunist, der mit undendlicher Ausdauer über The Empire of the United States schimpft und selbst mit Frau und Kindern seit fünf Jahren dort lebt. Ein Mann von dem ich in den letzten zwei Jahren so viel gelernt habe und jetzt mit Wut entgegen trete. Ein Mann, der nur davon redet nach Peru zurück zu kehren.

Peru ist nicht mein zu Hause. Peru ist der Ort an dem mein Vater, mein so genannter biologischer Vater geboren und zu Hause ist. Meine Sehnsucht nach diesem Ort ist im Jetzt vergangen.

Der Smog über Lima, der Schmutz, der den Himmel immer bewölkt macht, macht mich grau. Es gibt hier kein romantisches Heimkommen. Peru liegt mir nicht zu Füßen. Ich erliege meinen westlichen Phantasien und Träumen.

 

Stupid weird thing

Ich bin zwischen euch allen. That’s you’re life. You have to be strong.

Meine Stärke ist es hier zu sein. Es reicht nicht aus. Der Flug nach Lima macht mich schwach. Hier hört alles auf und fängt immer wieder an.

Das Flugzeug ist ein Raum voller Menschen. Neun Reihen, zwei Gänge, über vierzehn Stunden nebeneinander, hunderte Menschen. Kinder die schreien, Mütter, die ihre Kinder durch die Gänge tragen. Kinder die allein durch die Gänge wackeln. Stewardessen, die mit aufgesetzen Lächeln alles von Wasser bis Gin servieren. Luft, die sich nicht atmen lässt. Alles wird noch enger.

Mein Brechen vor und in Toiletten beginnt. Ich werde krank.

Wenn der Bus bis zu fünf Kilometer über den Meeresspiegel hinauf fährt und meine Ohren knacken und knacksen.  Wenn ich mit einer Tüte im Gesicht kurz vor der Bustoilette zusammen sinke und mich erbreche, immer und immer wieder, dann bin ich dort angekommen, wo ich nicht mehr sein möchte.

Warum ersehne ich ein Land so sehr, das ich nicht kenne? Warum ersehne ich das Land jetzt, das ich sonst immer mit auerlesender Kritik und abschätziger Häme betrachte? So als ob ich nicht Teil dessen wäre.

Warteschlange Europäische Union, da wird niemand herausgewunken. Nie war mir mein deutscher Pass, mein ausgedrucktes E-Ticket solch unglaublicher Schatz. Nur nicht hier bleiben. Nur nicht hier bleiben.

So viel Familie und dennoch allein. Die Tränen kommen nicht. Die Liebe, die ich herausfordere versinkt im Argumentieren. Ich klage an, weil er nicht da war:

I don’t trust in your love. You are going to leave me again. I hate you.

Weil du mich allein vor der Bustoilette brechen und weinen lässt.

Your perfect missing daughter, your arrogant and mean, lesbian, perfect missing daughter, who ist not fucking her Cousine stays in Germany.

I hate you for your business as usual politeness. I hate you for showing me around. I hate you for telling me that I am white. Du liebst mich nicht. You don’t love me because you don’t know me. I am not your princess. You don’t agree. You don’t agree with my girlfriend? So I don’t agree with you at all. I am not thankful? And you are not there when I need you. I told you in a wrong moment that I have a girlfriend? I told you  that she is part of my family and you think I am fucking with a cousine.

Stupid weird thing.

 

11/11/2009

Auf Wegen

Ich verreise

nicht.

Ich komme an.

Ich besuche

nicht.

Ich werde zu Hause sein.

 

Ich kenne dich

nicht.

Gehöre zu dir.

Spreche unsere Sprache

nicht.

Verstehe dich.

 

Weit weg

bist du

nicht.

Ich zufällig hier,

mit dir.

 

Ich suche dich,

nicht

mehr.

Nur mich.

Bin auf Wegen

zu dir und mir.

 

Ich verreise

nicht.

Ich komme an.

Ich besuche

 nicht.

Bin immer hier

mit dir.

06/11/2009

Selbstgespräch

Interview

Frauke finden Sie nicht, dass Sie ziemlich viel Aufriss machen, um ihre Identität und Hintergrund?

Ich bevorzuge die Ausdrücke Identitäten und Selbstzuschreibungen.

Ich bin Teil einer deutschen-eurozentristischen Gesellschaft, ich arbeite in einer universitären Institution, bin zur Zeit so weit es geht relativ finanziell abgesichert und genieße es Texte zu lesen, die mich interessieren und habe die Zeit mich Selbst zu formen und zu formulieren. Und gerade deshalb, weil es mir so gut geht, weil ich die Möglichkeit habe, zu sagen: „Hey ich habe keine Lust mehr mitzuspielen“, mache ich so einen Aufriss. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Heißt das Sie können nur sprechen oder wie Sie es sagen, sich „formen und formulieren“, weil Sie abgesichert sind und sich gut fühlen?

Das ist eine interessante Frage. Ich wünschte es wäre nicht so, aber ich denke, gerade ist es so, ja.

Warum ist es denn so wichtig, dass Sie sich selbst als Latina-Deutsch und Woman of Color bezeichnen? Was heißt überhaupt Woman of Color? Wer versteht das schon?

Zu aller erst verstehe Ich das und das ist mir wichtig.

Warum das so wichtig ist, muss ich Ihnen nicht beantworten. Das können Sie auf meinem Blog nach lesen unter Über Frauke Carvo-Heidenreich.

Dennoch haben Sie recht, Latina-Deutsch wird wohl noch eher verstanden als Woman of Color. Aber es interessiert mich nicht, wenn ich nicht verstanden werde. Es gibt viele Bücher dazu, die in Bibliotheken  stehen oder in coolen Bücherläden in Berlin-Kreuzberg und wer nicht in einer Großstadt lebt, kann  mal Suchmaschinen und Bücherportale anstrengen. Oder der Taz einen Leser_innenbrief schreiben was Kritisches Weißsein und Rassismus ist. Gerade davon möchte ich ja weg kommen, also, wenn Leute nicht verstehen, dass ich mich nicht  Weiß positioniere, dann haben sie halt Pech und Probleme. Ich muss mich nicht erklären, sondern die müssen was lernen.

Es wird dann eher peinlich für solche Personen, die meinen sie wüssten besser, wer Weiß ist und wer nicht. Außerdem verhalten sie sich dann mir anders gegenüber, sind verunsichert, weil sie mich nicht sofort „erkannt“ haben. Sagen dann sowas wie: „Ja liegt nahe“ oder  „Hat man irgendwie gesehen.“ Oder was ich auch erst vor kurzem gehört habe: „Ja so was indianisches steckt schon in dir drin.“ Das ist Rassismus, feiner und höflich verpackter Rassismus.

Wer bringt es Ihnen dann bei?

Wie gesagt, das ist mir egal. Das heißt, ich würde mich nicht vor 40 Leute stellen und erklären was Woman of Color heißt, vielleicht ändert sich das auch wieder. Aber gerade muss ich das nicht haben. Rassistische Strukturen ändern sich nicht durch political correctness, kluges und reflektiertes, positioniertes Labern.

Sondern?

Durch Schreiben, wie Noah Sows  „Deutschland Schwarz Weiss“.

Durch zuhören, durch streiten und Verwerfungen mit Menschen, die man glaubte zu kennen. Durch schmerzvolle Diskussionen und den Versuchen sich eigenen Verantwortungen zu stellen. Die Einsicht, dass die Entfernungen zu groß sind und dabei die Verbindungen nicht zu leugnen, dass es manchmal keine Sprachen gibt, die vermitteln können und den Respekt dies zu akzeptieren und die Fähigkeit dennoch nicht aufzugeben.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

05/11/2009

Weiße Farbe

Berlin, Prenzlauer Berg im Mai 2009

Mit dem Rad fahre ich durch den „Volkspark Friedrichshain“ und erinnere mich, ich wollte doch schon immer einmal die Geschichte der Berliner „Volksgärten“ erforschen. Ich biege in die Hufeland Straße, das Kopfsteinpflaster ist alt und denke an meinen Schulweg.

Die Häuserfassaden sehen noch immer so aus, als ob die Farbe trocknen muss. Es geht Berg ab, mein Rad klappert nicht und ich bin stolz, denn es ist neu. Kurz vor der Kreuzung Greifswalder Straße/ Hufelandstraße muss ich stehen bleiben und auf den Bürgersteig wechseln.

 Es ist dieses Bild.

 Es hat mich zum stehen gebracht,

 meine Gedanken unterbrochen

 und wird mein Gedächtnis nicht mehr verlassen.

Dann merke ich, ich schäme mich, schäme mich und realisiere wieder, ich bin im Bötzowviertel und stehe vor: „G.od S.ave T.he Bean. Coffee Shop and more…“ Der Aufsteller, der zu m/einem Bild geworden ist, lädt mich zum Kaffeetrinken ein und ist eine überdimensional große Kaffeebohne mit einer großen Tafel „fair trade coffee“ im Nacken. Sie sitzt auf einem großen Leinensack mit rot gestempelter Aufschrift „Quality Coffee“. Die “schwarze” Bohne schlägt die Beine übereinander und trinkt aus einer Tasse.

Ich drehe mich um, ob mich jemand sieht, dann merke ich, ich drehe mich um, weil ich angst habe jemand anderes könnte das Bild sehen, das Bild, dass eigentlich ein Aufsteller ist, sichtbar für alle.

Und sofort weiß ich, genau das ist es, was ich mir wünsche: Alle anderen, die weiter laufen, sollen mit mir stehen bleiben, das Bild sehen und Pläne schmieden, laut darüber sprechen, mit mir gehen und weiße Farbe besorgen.

Der Aufsteller ist immer noch nicht geweißt.

 06.11.2009

03/11/2009

Ständig als Weiße [Europäerin] adressiert zu werden ist lästig

 

  1. Ständig  als Weiße [Europäerin] adressiert zu werden ist lästig
  2. In Räumen zu lernen, die von der Abwesenheit und von People of Color, _of Color Positionen, Schwarzen und Positionen mit Rassismuserfahrungen ausgehen, ist auch lästig.
  3. Daraus kann geschlossen, werden, dass in solchen Räumen nach sogenannten Pigmentierungsdifferenzen und _oder anderen rassifizierten Merkmalen gesucht wird, um dann zu identifizieren und  zu entscheiden, ob Personen , nicht-weiß, nicht-europäisch, nicht-deutsch, nicht-christlich  uvm. nicht sind.
  4. Die Möglichkeit von Positionen, die sich nicht in binäre Pigmentierungsschemata und_oder  rassifizierte, stereotypisierte Wiedererkennungsmuster einordnen lassen,  sind immer anwesend.
  5. People of Color, _of Color Positionen, Schwarze und Positionen mit Rassismuserfahungen sind immer anwesend.
  6. Das heißt Ihr könnt mich nicht erkennen.
  7. Diese Lesbarkeit bezieht sich meist auf die Fähigkeit zu sehen und _oder zu hören. Das ist überaus ausgrenzend und voraussetzungsreich und rassistisch.
  8. Solange in solchen Räumen nach binären Einordungsmustern wie weiß -schwarz gesucht und sich gerichtet wird, werden rassistische Strukturen nicht nur stabilisiert und reproduziert, sondern „Rasse“konstruktionen immer wieder zitiert.
  9. Akzente beim Sprechen, Kleidung, Kopfbedeckungen wären Beispiele, die sich nicht nur auf Wahrnehmbarkeit durch Pigmentierung reduzieren ließen.  Jedoch werden solche Zeichen der Lesbarkeit gerne vereinnahmt. Nach dem Motto: „ Da weiß man_frau doch woran man_frau ist.“
  10. Das wird natürlich niemals so ausgesprochen, doch die Adressierung an eine vorausgesetzte Weiße Mehrheit ist üblich, auch in Seminaren,  die sich mit Critical Whiteness und Rassismus und oder Postkolonialen Theorien beschäftigen.
  11. Wenn dann Selbstpositionierungen meinerseits erfolgen, ist die Stimmung mehr als versaut und ich fühle mich scheiße.
  12. Warum ist das so?
  13. Weil ich entgegen meiner eigenen selbst gesetzten Position, die nicht in diese binären Strukturen passt, in Weiß dominierten Räumen, als Weiß gelesen und adressiert werde.
  14. Ich verweigere eine  Weiße Zugehörigkeit und verrate den mehrheitlich Weiß hergestellten Raum.
  15. Zudem darf ich mir noch anhören, dass  das ja von mir jetzt nicht gedacht wurde.
  16. Ja weil es dann weniger Rassismus gäbe, wenn ich meinen Mund halten würde.
  17. Punkt 15 soll ich wiederum als Kompliment anerkennen.
  18. Ist es aber nicht. Es ist hochgradig rassistisch und darauf habe ich keinen Bock.

01/11/2009

Es gibt rote Züge

 

Es gibt rote Züge

„Bitte nur mit gültiger Fahrkarte.“

Leinfelde

Es ist nicht weit weg.

 

 

17.14.

Der Zug fährt.

Die Wolken stehen.

Das Reisen trägt,

macht sicher.

 

 

Der Fahrtwind

macht den Regen unsichtbar

Tropfen, ganz eilig am Fenster

 

 

Alles ist versteckt.

Nur der Rasen bleibt.

„Nächster Halt Heiligenstadt.“

 

 

Der Zug dringt in die Ohren.

Das Auto wartet.

Das Heu bleibt trocken.

Alte Häuser wärmen.

 

 

Räder fuhren durch die Felder.

Spuren retten

 mich.